Maria, Du Pforte des Himmels...

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

 

Im Monat Mai erleben wir, wie in der Natur, oder auch im Garten,  vieles anfängt zu wachsen. Es grünt und blüht überall. In dieser Zeit ist es in unserer Gemeinde üblich, die Maiandachten zu halten. An (fast) jedem Tag im Mai versammeln sich Menschen um einen der zahlreichen Bildstöcke in unseren Dörfern und halten eine kurze Gebetszeit. Die Termine finden Sie in den Listen, die in den Kirchen ausliegen. Wir verehren Maria, die Mutter unseres Herrn. Und unsere Mutter.

 

Vor langen Jahren fiel mir ein Gebetsheft mit Maiandachten in die Hand, mit dem ich etwas anfangen konnte.  Es stammt aus dem Bistum Köln und ist mit Texten und Bildern gestaltet, die von  Johannes Lüdenbach  sind.  Die einunddreißig Abschnitte  sind alle aus der lauretanischen Litanei entnommen.

Hier möchte ich heute daraus den 20. Abschnitt vorstellen. Zunächst das Bild:

Ein Holz- oder Linolschnitt. Es zeigt aus einem Innenraum heraus eine Tür oder ein Tor. Der Raum ist dunkel. Von Draußen strömt Licht herein. Teilweise durchbricht das Licht auch die Türe und den Torbogen.  Der dazugehörige Titel aus der Lauretanischen Litanei lautet: „Maria, du Pforte des Himmels, oder du  Zugang zum Vater“. Das Dunkle im Innenraum mag uns daran erinnern, das wir selbst manchmal wie im Dunklen leben. Draußen, in der Welt Gottes ist es hell. Da ist das Überströmende Licht. Die Mystiker reden oft von dem Überströmenden Licht, wenn sie von der Welt Gottes sprechen.

 

Eine Tür ist eine Verheißung. Immer erwartet uns etwas hinter einer Tür. Eine Tür schließt einen Bereich ab. Sie kann aber auch geöffnet werden und lässt uns hindurchgehen. Geöffnete Türen, die wenigstens etwas Licht durch den Spalt lassen, sagen uns, dass hinter der Türe Leben ist.

Maria wird die Tür oder auch die Pforte des Himmels genannt. Sie hat den Heiland geboren, der uns Menschen sinnerfülltes Leben schenken will. Maria ist das erste Geschöpf, welches Teil hat an dem was hinter der Türe liegt. Als Erste hat sie Anteil an  der Herrlichkeit Gottes (siehe das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, das wir am 15. August feiern). Durch ihr Ja in Nazareth ist sie gleichsam zur Pforte geworden, die sich öffnet, damit das Licht des Gottesreiches unser Leben erhellen kann. Durch ihr Ja ist die Tür geöffnet, damit wir uns auf den Weg zum Vater machen können.

Wir alle haben seit unserer Taufe den Auftrag, von diesem Licht, das Christus selbst ist, zu künden. Wir sind damit selbst zu Türen geworden, durch die Menschen Zugang zu Christus finden können. Wir können dieser Türe zuschlagen. Wir können sie aber auch immer weiter öffnen; so dass andere Menschen von diesem Licht  leben können: Dieser Lichtspalt kann für andere und auch für uns selbst der Anfang eines Weges zum Himmel sein.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Vielleicht wird auch bei Ihnen in der Nähe eine Maiandacht gehalten. Ich möchte Sie einladen, dort hin zu gehen und mitzubeten und mitzufeiern.

 

Ihr

Werner Jörgens, Pfr.