Aktueller Impuls

„Warchte ma ebgess“. Ein typischer niederrheinischer Satz, der zur höflichen Überbrückung, etwas zu Ende zu bringen bevor Zeit ist, sich einem Gesprächspartner zuzuwenden, genauso tauglich ist wie zur Vertröstung einer Anfrage, die jetzt mal überhaupt nicht passt.

Warten, eine Bezeichnung eines sehr lästigen Umstandes aus der Sicht desjenigen der warten muss. Und wer andere ohne eigenen Zeitdruck warten lässt, kann auch ein wenig Macht ausspielen. Selig aber die Menschen, die warten können oder eben auch vernünftig terminiert warten lassen können. Denn sie sind vor der Dauerbelastung unseres „Faktums Stress“ doch recht gefeit und sicher. So mancher wartet ab jetzt auf Weihnachten: Auf das schöne Fest, auf Geschenke, den Urlaub.

Und da gibt es auch so etwas wie nicht abwarten können: Darum ist die Wartezeit des Advent längst schon die Weihnachtszeit selbst geworden: Mit Christbaum und Feierlichkeiten und allem was dazu gehört. Klar, warten können – warten müssen. Ein Phänomen, das immer mehr verschwindet.

Wir kommunizieren in Echtzeit, es ist möglich, Informationen umgehend zu erhalten, Organisation braucht nur noch ein Handy und einen guten Empfang. Und wenn wir mal irgendwo warten müssen, ermöglicht uns das Handy eine umfassende Überbrückung und auch sinnvolle Nutzung der Zeit.

Es gibt kaum noch Geduldsproben im Alltag und alles ist sofort erledigt. Oder auch nicht? Ihnen allen eine gute Wartezeit auf Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr. Wenn sie mögen und Zeit haben,  lesen sie doch die Geschichte zu diesem Bild:

Als die Hl. Drei Könige sich auf den Weg zur Krippe machten, ritten sie natürlich auf Kamelen. Was in Vergessenheit geraten war, dass die ganze Last der Geschenke ein Elefant trug. Vielleicht hat man sich seiner nicht mehr erinnert, da er auf dem Rückweg nicht mehr dabei war. Denn Josef hatte einen der Hirten an der Krippe umgehend gebeten, mit dem Elefanten durch Judäa zu wandern und den armen Menschen die Geschenke der Könige zu geben. Als Elefantenführer war dieser nicht mehr unbedingt als Einheimischer zu erkennen und die Römer dachten, ein Fürst des Orients wollte dem König in Jerusalem seinen Tribut bringen. Der kleine Elefant hoffte aber zutiefst, das Jesuskind noch mal in Ruhe betrachten zu können.

Josef selbst aber ging, wie wir wissen, zur Sicherheit mit Maria und Jesus und dem Esel aus dem Stall nach Ägypten. Hierhin sollte der Elefant mit lediglich drei Geschenken nachkommen: Einem kleinen Beutel Gold, einem Tongefäßchen mit Myrrhe und einer Schachtel Weihrauch. „Diese drei Geschenke kann ich euch nicht geben“, betonte der Hirte mit dem Elefanten in jedem Dorf. Und so kam es, dass diese drei Geschenke bei den Menschen in Erinnerung blieben. Als er nun in Ägypten ankam, wurde der Elefant doch von dem Stadtaufseher von Alexandrien beschlagnahmt. Und somit blieben Maria und Josef arm. Der gezähmte – jetzt aber unglückliche Elefant der doch Jesus wiedersehen wollte, so beschlossen die Mächtigen, sei die Möglichkeit, einen großen Obelisken nach Rom zum Kaiser zu bringen. Dort sollte  er bei dem Tempel der heidnischen Göttin Isis und der Minerva stehen. Und so schnallten sie den riesigen Gedenkstein auf den Rücken des Elefanten. Der war nun wirklich totunglücklich: Er hatte nun seinen Auftrag, zum Lebensunterhalt des Jesuskindes beizutragen, nicht erreichen können. Und nun musste er auch noch diesen Stein in das ferne Rom auf Land – und Seeweg tragen. Als er nun in Rom an seinem Bestimmungsort, dem Tempel ankam, erstarrte er vor Gram zum Stein wie der Obeliskenstein, den er trug. Viele Jahre später, das Christentum hatte längst seinen Siegeszug vollendet, machte er durch seine Besonderheit die Menschen auf die im ersten Moment unscheinbare Kirche Santa Maria supra Minerva aufmerksam, die mittlerweile über die heidnischen Tempel gebaut worden war. In ihrem Inneren wurde nun die  Statue des erwachsenen und auferstandenen Christus verehrt. Wer den Elefanten anschaut, kann sein zufriedenes Lächeln sehen, nun endlich etwas zur Verherrlichung des neugeborenen Königs beitragen zu können. Und zugleich steht er für die Geduld Gottes mit uns Menschen — und dass er uns nie vergisst. Frohe Weihnachten und viel Geduld mit allem, was ihnen im neuen Jahr begegnet.

Ihr / Euer

Frank Ingendae, Pastoralreferent