Aktueller Impuls

„Ich wünsche uns Osteraugen..."

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Der Text eines Gebetes auf Sanskrit (die älteste indische Sprache) lautet:

 

"Asato Ma Sat Gamaya    -   Führe mich von der Unwahrheit zur Wahrheit
Tamaso Ma Jyotir Gamaya - Führe mich von der Finsternis zum Licht
Mrityor Ma Amritam Gamaya - Führe mich von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit."


Dieses Gebet ist eine uralte Anrufung in allen Glaubensrichtungen des Hinduismus verbreitet und etwa 2800 Jahre alt, vermutlich aber wesentlich älter.

Unsterblichkeit war schon immer ein Wunsch der Menschheit.

Man hatte die Unsterblichkeit mit dem Sein und dem Licht gleich gesetzt. Aber die Frage lautete damals und sie lautet auch heute noch so: Wie kann man zur Unsterblichkeit gelangen?

 

Sterblichkeit und Endlichkeit ist das, was wir jeden Tag erfahren.

Trotz dieser alltäglichen Erfahrung hat es den Menschen immer nach Unsterblichkeit verlangt.

 

Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." (Joh 14,6)

Er ist gekommen, um uns ein neues, unsterbliches Leben zu versprechen. Die christliche Antwort auf das menschliche Verlangen nach Unsterblichkeit ist die Auferweckung Christi.

Der heilige Paulus sagt: Wie Christus auferstanden ist, so werden wir alle in ihm auferstehen. Der Tod ist nicht mehr das Ende des menschlichen Lebens, sondern der Anfang eines neuen Lebens in Christus.

 

Gott hat den Tod für immer besiegt. Er schenkt auch uns in Jesus Christus das ewige Leben. Das ist die frohe Botschaft von der Auferstehung, zu der wir uns als Christen dankbar bekennen.

 

Mit einem Osterwunsch des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle möchte ich ihnen allen ein gesegnetes und frohes Osterfest 2020 wünschen.

„Ich wünsche uns Osteraugen,

die im Tod bis zum Leben,

in der Schuld bis zur Vergebung,

in der Trennung bis zur Einheit,

in den Wunden bis zur Herrlichkeit,

im Menschen bis zu Gott, in Gott bis zum Menschen,

im Ich bis zum Du zu sehen vermögen“

 

Wenn wir mit solchen Augen so sehen lernen und so sehen können, bekommt unser Leben neue Farbe, neuen Sinn, neuen Glanz. Dann füllt sich unser manchmal noch so schwacher oder schwächelnder Glaube, ja sogar unser Unglaube mit neuem Leben.

 

Ihr

Pater Joseph Pazhoor