Partnerschaft "Sobradinho"

 

Seit mehr als 25 Jahren besteht zwischen der Pfarrei Sankt Franziskus in Sobradinho im Nordosten Brasiliens und Pfarrgemeinde St. Michael in Wachtendonk eine Partnerschaft. Viele fragen sich, ist es notwendig, Partnerschaften in einem Schwellenland zu unterhalten. Brasilien hat doch die Olympiade und die Fußballweltmeisterschaft ausgerichtet. Es ist doch ein reiches Land. Vordergründig kann man das vielleicht so sehen. Aber es leben im Nordestino, im Nordosten Brasiliens, immer noch viele Menschen in großer Armut, fürchten um ihre Lebensgrundlagen und sind von Gewalt bedroht. Der Fortschritt geht weitestgehend an ihnen vorüber. Gerade die neue politische Situation lässt befürchten, dass es kaum Hoffnung auf Verbesserung der Situation der Menschen geben wird, im Gegenteil. In dieser extremen Dürrezone, in der es seit Jahren kaum geregnet hat, liegt auch unsere Partnergemeinde Sobradinho. Wir unterstützen die Menschen dort auf vielfältige Weise von Zisternenbau über soziale Projekte in Krisensituationen bis zur Unterstützung der Efas-Schule mit Lehrmaterial. Die Hilfe für die Menschen im Raum Sobradinho bleibt genauso notwendig wie zu Beginn unserer Partnerschaft.
Im angehängten Flyer finden Sie weitere detaillierte Informationen zu unserer Partnergemeinde und die Arbeit vor Ort. Gerne stehen die Mitglieder des Arbeitskreises auch für ein Gespräch zur Verfügung.
Für den Förderkreis Partnerschaft Wachtendonk-Sobradinho

 

Margret Herzog

Besuch aus Brasilien

Der Trump der Tropen

So nennt er sich, der neue Staatspräsident Brasiliens: Jair Messias Bolsonaro. Den Namen Messias hat er sich selbst zugelegt. Und so stellte sich der neue Messias im Wahlkampf den Wählern dann auch vor:

„Nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit“ und „Ein Polizist der nicht tötet, ist kein guter Polizist“.  Die Abgeordnete Maria de Rosário von der Arbeiterpartei beleidigte er mehrfach mit der Aussage: „Sie verdient es nicht einmal von mir vergewaltigt zu werden“. Die farbige Bevölkerung Brasiliens, die immerhin die Mehrheit stellt, bezeichnet er als Tiere. Der Frauenfeind Bolsonaro bezeichnet die Geburt seiner eigenen Tochter als „Ausrutscher“. Homosexuelle haben es ganz schwer. „Wenn sie sich auf der Straße zu erkennen geben, würde ich zuschlagen“, sagte er.

Die Vorbilder des ehemaligen Hauptmanns der Reserve, der öffentlich für die Folter ist, der in den 1980er Jahren auf Grund terroristischer Aktionen aus der Armee entlassen wurde, sind vor allem Trump, den er schon in den USA aufgesucht hat und mit ihm „ein Herz und eine Seele“ war und Adolf Hitler.

Zukünftig will er die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte für die Armen, Arbeiter und Frauen (Sozialleistungen, Arbeitsschutz, Mutterschutz, usw.) wieder rückgängig machen.

 

Der Tropen-Trump kann sich seiner Unterstützer sicher sein

„Die deutsche Wirtschaft beobachtet die Präsidentschaft des ultrarechten Bolsonaro mit großer Aufmerksamkeit und prinzipiell hoffnungsvoll“ und „Das bundesdeutsche Wirtschaftsministerium wirbt nach dem Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten für eine Ausweitung der Geschäfte mit dem Land“ (Infodienst Brasilien 285/13).

Wenn der Rubel rollt, sind Menschenrechte zweitrangig.

 

Die zweite Unterstützergruppe ist die Bevölkerung der Industrienationen. Ihr maßloser Konsum spielt einem Bolsonaro genau in die Hände. Von Ausnahmen abgesehen sind wir alle beteiligt.

Am Beispiel von Soja, vor allem für die Fleischproduktion, wird das besonders deutlich.

In 56 Jahren (von 1961 bis 2017) entwickelte sich die brasilianische jährliche Sojaproduktion von 0 auf 100 Mill. Tonnen. In nur drei Jahren will Bolsonaro sie auf 200 Mill. Tonnen steigern.

Die dafür erforderlichen Anbauflächen liegen selbst in Brasilien nicht einfach so herum. Dafür werden hunderte Kleinbauernfamilien von ihrem Land vertrieben und wenn sie nicht freiwillig gehen, nicht selten ermordet werden. Der größere Teil der erforderlichen Anbauflächen geht aber zu Lasten des Regenwaldes. Die bereits begonnene großflächige Abholzung der „Klimaküche der Welt“ werden wir alle noch mehr zu spüren bekommen. Mit dieser Abholzung werden viele im Regenwald lebende indigene Völker vernichtet. Bolsonaro ordnet sie als Tiere ein, die keinen Lebensraum verdienen. Seine Devise: Alles was dem Staat Devisen einbringt, hat Vorrang, auch vor Menschen.

Soja ist nur ein Beispiel. Mit Zuckerrohr (Ethanol), Jatrophapalmen (Palmöl), Tropenholz (Papier, Baustoffe, Möbel) usw., ließe sich die Liste beliebig erweitern. Man schätzt, dass z. B. über die Hälfte des Tropenholzes illegal eingeschlagen wird. So hat laut Report Mainz die Gorch Fock auf einer ihrer letzten Fahrten tonnenweise illegales Holz für ihren Umbau ins Dock gebracht. Weder das Verteidigungs- noch das Wirtschaftsministerium haben die Einfuhr kontrolliert oder wollten sie kontrollieren.

 

Langer Rede kurzer Sinn

Jeder von uns beeinflusst durch sein Handeln die Entwicklung in Brasilien und auch anderswo.

Es trifft genau die Menschen, für die wir uns einsetzen: Menschen, die vor dem Gesundheitszentrum schon von Mitternacht an warten, ohne zu wissen, ob sie an diesem Tag behandelt werden; Frauen und Männer, denen die schmale Rente gekürzt werden wird. Jugendliche, deren ländliche Schulen geschlossen werden und die keine Chance mehr auf Bildung haben werden.

Diesen Menschen, deren Schicksal wir alle zu verantworten haben, muss unsere Gesellschaft etwas zurückgeben.

 

Der Förderkreis wird daher seine zukünftigen Unterstützungsmaßnahmen der Entwicklung in Brasilien anpassen.

 

Darum haben wir eine deutschsprachige sachkundige Mitarbeiterin einer brasilianischen Hilfsorganisation eingeladen: Frau Maria Oberhofer, die uns die derzeitige Entwicklung in Brasilien authentisch nahebringen wird und mit der wir die Art unserer zukünftigen Unterstützung besprechen werden. 

 

Übrigens: Auch die brasilianischen Hilfsorganisationen sind in Gefahr. Für Bolsonaro sind sie Sozialisten, Marxisten, Terroristen - Vorwände mit denen er sie verbieten will.

W.Wies

 

Sie können Frau Oberhofer persönlich erleben:

Freitag, 28. Juni, 19.30 Uhr, im Pfarrheim, Kirchplatz

Sonntag, 30. Juni, 11.00 Uhr in „St. Michael“

 

Herzliche Einladung!