Wir sind so frei …

Eine persönliche Nachschau zu einem besonderen Reformationstag

 

Dass unsere katholische Schwestergemeinde St. Marien mit uns den Reformationstag gefeiert hat … darüber kann ich nicht genug staunen und mich freuen.
 
So stelle ich mir Christsein und Ökumene vor! Nicht ängstlich auf die eigene Konfession bezogen zu sein, sondern freimütig nach den Wurzeln, dem Grund-legenden zu suchen, das uns als (jeweilige) Kirche trägt und ausmacht. Es war ein Tag der ecclesia invisibilis, der unsichtbaren Kirche, die den sichtbaren Kirchen voraus geht. Es war ein Tag der ecclesia semper reformanda, der Kirche, die sich selbst reformiert und bereit ist sich vom Geist Jesu wandeln zu lassen, die danach sucht, der Freiheit der Kinder Gottes möglichst nahe zu kommen.
 
Als wir gestartet sind, gab es nur den Termin, den Ort, die Freigabe des Pfarrgemeinderates und des Presbyteriums, zum Reformationstag einen kreativen Abend zu gestalten und die sehr wichtige Zusage von Sebastian Benthin und seinen Musikfreunden. Ohne sie hätte es diesen Abend nicht gegeben.
 
Wir waren frei, unsere Gedanken schweifen zu lassen, unsere Sehnsucht danach, so Kirche zu sein, dass sie nicht nur einige wenige interessiert, sondern sich zeigen kann als das, was sie ist: Eine Bewegung nach Wahrhaftigkeit suchender Menschen. Eine Gemeinschaft, die von der Zusage Jesu lebt: Ich bin bei euch. Ein Raum, der frei macht, über sich und sein Leben nachzudenken.
 
Danke dem Vorbereitungsteam Sigrun Bogers, Margret Herzog, Hartfried Toennessen und Ludwig Wolff.
Danke der Musik, die für mich so geklungen hat, als würde sie gerade neu geboren, so zart, so frei, so lebendig.
Danke für alle, die sich haben ansprechen lassen.
Ulrike Stürmlinger

Wir sind so frei  …..
Ein nachdenklich – musikalischer Abend


Wir waren so frei und gingen voll Erwartung am Mittwoch, den 31.10.2018, dem Reformationstag,  in die St. Michaelkirche, um Texte und Musik zum Thema „Freiheit“  zu hören.
In ihren Einleitungsworten begrüßte Margret Herzog die große Anzahl von Menschen, die sich in vielleicht ungewohnter Weise an diesem Abend in Bänken gegenüber saßen und in einem mit buntem Licht durchfluteten Kirchraum auf einen nachdenklich-musikalischen Abend einließen.  Egal ob evangelisch oder katholisch, oder weder noch, jeder sollte in Texten hören und spüren, welch hohen  Wert für uns der Begriff Freiheit ausmacht.  So durften  alle Zuhörer  gespannt sein, von unterschiedlichen Sprechern den Freiheitsgedanken in 6 Zugängen geöffnet zu bekommen:
Freiheit ist kostbar  -  Sehnsucht nach Freiheit  -  Missverstandene Freiheit  -  Freiheit ist mühsam  -  Beziehung macht frei  -  Freiheit der Kinder Gottes
Während es Sigrun Bogers, Ulrike Stürmlinger, Hartfried Toenessen, Margret Herzog und Ludwig Wolf übernahmen, den Zuhörern die dazu passenden Texte vorzutragen, gelang es dem Musikquartett mit Nina Moll, Christine Maas, Sebastian Benthin und Johnny Murkovic  mit einfühlsamen Stücken den Raum für  eigene Gedanken zu öffnen.
Es hat uns gut getan, in einer Welt, in der Freiheit nicht an allen Orten zum selbstverständlichen Gut   gehört,  Texte aufzunehmen,  die uns in eindringlicher Weise auf die Bedeutung von Freiheit in unserem Leben aufmerksam machten.
Wir haben diesen Abend mit seiner Fülle an gut miteinander verwobenen Texten und Musikbeiträgen  sehr genossen. Freundlicherweise durften wir per Email die Texte für eine weitere Betrachtung ausdrucken. ( Ein guter Tipp für alle!)
Die Auswahl der vorgelesenen und gesungenen Texte, sowie die  musikalische Ausgestaltung insgesamt  waren sehr gut miteinander verwoben, und kein Applaus zwischendurch lenkte von der Wirkung des jeweils Gehörten ab. Wie gut die Darbietung letztlich ankam, zeigte sich dann am Ende, als man den Mitwirkenden mit langer Ovation  seine Begeisterung  zum Ausdruck brachte.
Ein ganz toller Abend und ein großes Dankeschön an alle, die ihn haben Wirklichkeit werden lassen!

Brigitte und Dieter Benthin

 

Ich bin so frei


Freiheit, ein Zustand der uns selbstverständlich erscheint. Nicht weiter der Rede wert. Diese Selbstverständlichkeit zu hinterfragen und auf vielfältige Weise zu interpretieren hatten sich die Organisatoren der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden zur Aufgabe gestellt. Zu einem nachdenklich – musikalischen Abend zum Reformationstag luden sie unter dem Motto „Wir sind so frei“ in die Michaelskirche ein.


 Ich bin so frei, meine Gedanken und Eindrücke zu diesem Abend zu formulieren und nieder zu schreiben.
Sie waren so frei, die Besucher mit einem heißen Punsch zu begrüßen, die Bänke in der Kirche zu verrücken und den Kirchenraum in farbiges Licht zu tauchen. Dadurch entstand eine fast mystische Atmosphäre. Die instrumentale Fassung des Liedes „Über den Wolken“ verstärkte diese Grundstimmung, die die zahlreichen Besucher aufgeschlossen und bereit machte, sich auf besinnliche Texte und zum Thema passende Musik einzulassen.


Frau Herzog als Vorsitzende des Pfarreirates begrüßte die Gäste und erläuterte kurz die Intention des Abends: Frei sein für Begegnung, Musik sprechen zu lassen, eigenen Gedanken Raum zu geben, quer zu denken, Fragen zu stellen. Aus sechs verschiedenen Blickwinkeln sollte der Begriff „Freiheit“ betrachtet werden.


Freiheit ist kostbar.
Sehnsucht nach Freiheit
Missverstandene Freiheit
Freiheit ist mühsam
Beziehung macht frei
Freiheit der Kinder Gottes


Eigene Texte, Zitate, Gedichte und Geschichten ermöglichten verschiedene Zugänge zum Thema. Getragen und vertieft wurden die Gedanken durch die musikalische Begleitung. Die vokale und instrumentale Interpretation der zur Thematik des Abends passenden Musikstücke hinterließ bei den Zuhörerinnen und Zuhörern einen tiefen Eindruck.

 

Hartfried Thoenissen führte mit ausdrucksstarker Stimme aus, warum Freiheit ein kostbares Gut ist, nicht selbstverständlich, obwohl es doch ein zugesichertes Grundrecht und kein groß-zügig gewährtes Privileg ist.


Dennoch bleibt die Freiheit eine große Sehnsucht, so Pastorin Ulrike Stürmlinger. Denn die alltäglichen Verpflichtungen engen ein, hindern uns, unbeschwert Neues zu wagen und uns frei zu entfalten.
Sigrun Bogers wies auf die häufig missbräuliche Verwendung des Begriffes „Freiheit“ hin. Besonders in der Werbung wird unter dem Etikett „Freiheit“ Konsum, Genuss und Vergnügen versprochen.
Es durfte aber auch quer gedacht werden, etwa beim Zitieren des Dalai Lama, der für unsere Zeit eine neue Ethik jenseits aller Religionen fordert. Denn wesentlicher als Religion sei eine im Menschen angelegte Spiritualität, die von Liebe, Güte und Zuneigung getragen ist.


Freiheit ist mühsam, für jeden einzelnen, aber auch für Religionen, etwa im Umgang mit Dogmen und Geboten. Diakon Ludwig Wolf zitierte große Persönlichkeiten um aufzuzeigen, dass Freiheit Mühe macht. In Anlehnung an die Zehn Gebote interpretieren „Die Zehn Worte zur Bewahrung der Freiheit“ von Dr. Thomas Breuer das Wort Gottes, das Leben und Freiheit bewahren will.


Bindung macht frei. Diesen Widerspruch löst u.a. ein Text von Anselm Grün auf. Er macht deutlich, dass Bindung, die von Liebe und Zuneigung getragen ist, frei machen kann.


Wir Christen sind als Kinder Gottes durch Christus befreit und zur Freiheit berufen. (Paulus) Das Wissen um die Geborgenheit in Gott schenkt uns Freiheit. Frau Stürmlinger schloss den Kreis, indem sie der instrumentalen Fassung des Anfangsliedes von Reinhard Mey neue Worte gab: „In Gott geborgen, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, sind in Ihm geborgen, und dann würde, was hier groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“


Der lang anhaltende Applaus am Ende des Abends zeigte die Begeisterung aller Anwesenden über die gelungene Auswahl der Texte und die gekonnte  musikalische Begleitung und Vertiefung durch Sebastian Benthin, Christine Maas, Nina Moll und Johnny Murkovic.


Mit der Auswahl der facettenreichen Ausgestaltung des Themas ist es dem Organisatorenteam gelungen, die BesucherInnen im wahrsten Sinne des Wortes zum Nach-Denken anzuregen.
Dank und Anerkennung allen, die diesen Abend in ökumenischer Verbundenheit so eindrucksvoll gestaltet haben.


Manfred Schreinemacher