Messe im syro-malabarischen Ritus in der St. Martin Kirche in Wankum

St. Marien.

Am 7. Juli, einem Sonntagnachmittag, läuteten zu ungewöhnlicher Zeit die Glocken der St.-Martin Kirche und luden zum Gottesdienst. Etwa 60 Gläubige folgten dieser Einladung. Was sie dann in mehr als einer Stunde erleben durften, war für westeuropäische Gläubige ein befremdlicher, wenn nicht gar exotisch anmutender Ritus eines katholischen Gottesdienstes. In Konzelebration mit je einem Mitbruder aus Straelen und Issum leitete der in unserer Pfarre bekannte Pater Josef den Gottesdienst. Alle drei waren in prächtige Gewänder gekleidet. Die Art ihrer Gewänder und der im Verlauf des Gottesdienstes verschwenderische Gebrauch von Weihrauch ließen Vergleiche mit den Ostkirchen zu. Die für unsere Ohren exotisch wirkenden, musikalisch unterstützten Gesänge zum Gottesdienst deuteten auf asiatische Herkunft hin. Die melodische Musik und die Gesänge wurden von vier Nonnen und einem Priester vorgetragen. Sie kamen aus Meppen, Lingen und Paderborn .

 

Der Gottesdienst war bestimmt vom gemeinsamen Gebet aller Gläubigen und vielen Liedern mit Texten einer fremden Sprache. Opferung, Wandlung und Kommunion ähnelten dem uns gewohnten Gottesdienstritus.

 

Doch welche Liturgieform erlebten die anwesenden Gläubigen?

 

Da alle Zelebranten und die Nonnen zwar aus deutschen Gemeinden kamen, aber indischer Herkunft waren, konnte man erahnen, dass es sich um einen im asiatischen Raum traditionell gefeierten Gottesdienst handeln musste. In ihren begrüßenden Eingangsworten wies Margret Herzog, Vorsitzende des Pfarreirates, darauf hin, dass es sich bei diesem Gottesdienst um einen syro-malabarischen Ritus handelt, nach dem der Gottesdienst gefeiert wird.

 

Von diesem Ritus haben wohl die wenigsten Christen unserer Gemeinde jemals etwas gehört.

 

Seinen Ursprung hat dieser Ritus im heutigen indischen Bundesstaat Kerala, früher Malabar. Ihre frühen Beziehungen in den Nahen Osten zu den ostsyrischen Christen führte zu einer Liturgieform, die Traditionen der Ostkirche mit der Sprache Jesu verbanden. Diese bei den Menschen in Malabar gefeierte Liturgie des Syro-Malabarischen Ritus ist neben dem lateinischen und dem ukrainischen der Drittgrößte in der katholischen Christenheit. Zugleich zählt er zu den ältesten Liturgien der Weltkirche. Dies wiederum ist zurückzuführen auf den Apostel Thomas. Dessen Wege zur Verbreitung der Lehre Jesu führten ihn bis nach Südindien in das Gebiet Malabar. Dort bildeten sich auf der Basis der Lehre die ersten Christengemeinden.

 

Was ist deutlich anders als im gewohnten lateinischen Ritus? Hierzu Erläuterungen, welche Margret Herzog vortrug:

In Kerala wird das Kreuz meistens als Kreuz des Auferstandenen betont und dargestellt. Deshalb findet man selten den gekreuzigten Herrn abgebildet. Der Fuß des Kreuzes steht in einer Lotosblüte. Diese Blüte ist in der Religion der Hindus und Buddhisten ein häufiges und wichtiges Symbol. Es soll uns zeigen, dass sowohl Buddhisten als auch Hindus unseren christlichen Glauben tolerieren und akzeptieren.

 

In der Liturgie der Ostkirche wird auch die Heilige Dreifaltigkeit wesentlich stärker angedeutet; während im lateinischen Ritus der Schwerpunkt auf Christus liegt. Ein Beweis dafür ist, dass die lateinische Liturgie ihre Gebete im Namen Christi beendet; während sie im syro-malabarischen Ritus im Namen des dreieinigen Gottes beendet wird. Da die Darbringung von Brot und Wein uns an das Leiden und den Tod Jesus erinnert, werden bei der Gabenbereitung Brot und Wein in Kreuzesform erhoben.

 

Die Liturgiewissenschaft sagt, dass der syro-malabarische Ritus den Gesichtspunkt des Opfers besonders beleuchtet. Im Unterschied dazu wird im lateinischen Ritus die Betrachtungsweise der Mahlgemeinschaft besonders betont.

 

Dieser dargebotene Gottesdienst im syro-malabrischen Ritus vermittelte den Besuchern, dass die christliche Religion vielfache liturgische Formen kennt und dabei jeweils die landestypischen Lebens- und Denkwelten aufgreift. Es ist ein Zeichen für die Vielfalt in der Einheit der katholischen Kirche. Für alle steht das Wirken Jesu im Vordergrund und in diesem Sinne sind wir alle Schwestern und Brüder.

 

 

Johannes Schriefers