Brief von Eva & Co.

Liebe Frauen, 
heute schreibe ich euch, als Mann. Ich kannte eine Frau, die kämpft. Ihre Geschichte spielt gestern und heute, die Frau trägt keinen Nanen, weil sie viele Namen hat. Sie fordert nicht mehr als ihr Recht. Sie ist beharrlich und unverschämt. Weil sie sich nicht schämt, für ihre Suche einzustehen, wieder und wieder. Sie schämt sich nicht für ihre Sehnsucht, gehört zu werden. Sie schämt sich nicht, verspottet zu werden als eine, die hysterisch ist, frustriert oder maßlos. Sowas muss sie sich anhören, Tag für Tag. Dass sie zufrieden sein solle, mit dem, was sie hat. Was sie denn noch alles wolle? Aber die Frau lässt sich nicht provozieren. Sie weiß: Andere lächerlich machen und zu verunglimpfen ist eine bewährte Methode, um Menschen klein zu halten. Glaubt mir, ich weiß, wovon sie redet ... Aber sie fürchtet sich nicht. Ich erzähle euch von dieser Frau, weil sie recht hat. Nicht müde zu werden, den Himmel auf die Erde zu holen. Gleichheit und Gerechtigkeit zu verlangen. Ich kämpfe mit ihr. Ich kämpfe mit all den Namenlosen, Ungehörten, Benachteiligten. Ich nerve. Weil ich der Stachel bin, der am „Weiter-so“ kratzt. Kämpft mit mir! Bleibt hartnäckig! Werdet nicht müde, laut zu sein! Macht Gott zu eurem Verbündeten! Er macht euch groß. Denn das ist sein Traum: dass alle Menschen groß sind, dass sie aufrecht und gleich durchs Leben gehen und niemand auf jemanden hinabsehe. Erzählt die Geschichte weiter.
Hört nicht auf, davon zu erzählen.
Immer an eurer Seite,
Jesus
 Briefe von Eva & Co. von Susanne Niemeyer aus „Frau und Mutter“, Januar 2020